13. Juni 2005 – Die Jagd nach einem Fisch, den es gar nicht gibt: die Hommingberger Gepardenforelle. Seit Mitte April schwimmt diese fiktive Spezies, ausgesetzt von den Redakteuren der Computerzeitschrift c't, im trüben WWW-Bassin. Und in wenigen Wochen hat sich diese erfolgreiche Schöpfung bereits millionenfach vermehrt. Suchmaschinenoptimierer wetteifern mit diesem erfundenen Begriff um die Poleposition am Haken von Google, Yahoo, MSN und Seekport.
Der Fischzug soll einen Einblick in die "Rankingmechanismen der Suchdienste und aktuelle Trends der Optimierung - legitime wie unerwünschte - ermöglichen". Man will der Ordnung des Datenstroms in den verschiedenen Suchmaschinen auf die Schliche kommen. Und zwar mit einem Abbild des Kunstwortes Nigritude Ultramarine, dass sich zwei findige US-Marketingfirmen vor etwas mehr als einem Jahr ausgedacht hatten. Aus der Not geboren sozusagen, denn Google hatte es durch eine Veränderung der Suchalgorithmen zeitweilig geschafft, zahlreiche Marketingfirmen aus den Top-Positionen der Suchlisten zu eliminieren.
Der Begriff der Hommingberger Gepardenforelle wurde gewählt, um "keinen Flurschaden anzurichten", begründen die Initiatoren die Namensgebung für ihr virtuelles Wesen. Weder gibt es einen Ort Hommingberg noch wirklich die Gepardenforelle. Die Suchmaschinen konnten also bis dato für diesen Begriff auch keine Treffer liefern. Der Wettbewerb soll keine unbeteiligten Sites aus den Indizes drängen.
Am 15. Mai wurde der frische Fang zum ersten Mal seziert. In den Netzen von Google zappeln demnach "Sites mit großem Bekanntheitsgrad und langer Lebensdauer, zum Beispiel die Wikipedia". Drei weitere der Top-5-Domains sind Google seit 2001 oder länger bekannt; für die c't-Redakteure ein weiteres Indiz, dass Google "alte Sites bevorzugt". Microsofts Datenfischer MSN legt nach dieser Analyse beim Ranking ähnliche Kriterien an wie Google.
So spielt auch dort die Link- und Domain-Popularität eine große Rolle. "Alle fünf Top-Ergebnisse sind mindestens drei Jahre alt und haben mehr als 1.000 Backlinks", konstatieren die Datenpathologen aus Hannover.
Yahoo scheint der Verlinkung einen wesentlich geringen Stellenwert einzuräumen. Die beiden Erstplatzierten, pixelbarbecue.ch und phlow.net, haben jeweils nur einige Dutzend Backlinks. Die erste Site hatte am Stichtag eine Keyword-Dichte von mehr als 30 Prozent, was andere Suchmaschinen eindeutig als Spam klassifizieren.
Die Betreiber der deutschen Suchmaschine Seekport haben eine Erklärung veröffentlicht, dass sie am Wettbewerb unter Vorbehalt teilnehmen. Eigentlich seien ja alle Seiten, die über eine nicht existierende Forelle berichten, als Spam zu bezeichnen. Deswegen ist im Seekport-Pool wohl auch am wenigsten zu finden.
Am 15. Dezember um 10 Uhr werden die Angeln wieder eingeholt.
Na denn, Petri Heil!
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