2. Dezember 2005 – Diese "cruise missiles" können nicht töten. Dennoch birgt ihr Inneres genügend Sprengstoff für Suchmaschinen. Sie schlagen aus allen Richtungen ein: Google-Bomben, und ihre Fracht heißt in diesem Fall "miserable failure".

Wenn man nämlich diesen Begriff, der im Deutschen so viel bedeutet wie "erbärmlicher Versager", in Google eingibt, so erscheint an der Spitze der Trefferliste die offizielle Biografie von George W. Bush. Es reicht aber auch schon, nur das Wort "miserable" einzugeben, um dieses Dokument als erstes von aktuell knapp 15 Millionen Treffern zu erhalten! Und das seit Jahren, obwohl diese Wörter im Text gar nicht auftauchen. How come?

Der Klick auf den entsprechenden Googlecache bringt einen ersten Hinweis: "Google steht zu den Verfassern dieser Seite in keiner Beziehung." Aha! Und: " Diese Begriffe erscheinen nur in Links, die auf diese Seite verweisen". Genau! Zahlreiche Webmaster und andere Netzaktivisten haben vor allem in Weblogs oder Gästebüchern einen oder mehrere Links auf die Präsidentenbio eben mit der Formulierung "miserable failure" gesetzt. Und nicht nur Google findet das geil: George DoubleU ist mit seiner Lebensgeschichte bei der weltweiten Suche die Nummer Eins in Yahoo, MSN, Alltheweb oder Altavista. Noch.

Denn das konservative Imperium schlägt mächtig zurück. AOL-Search – obwohl powered by Google (!) – präsentiert jetzt den Dokumentarfilmer und Bush-Kritiker Michael Moore auf dem hohen Thron der erbärmlichen Versager. George Bush wird gar nicht erst erwähnt. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Für Moore reicht es bei Google und Yahoo bislang nur zum Vize-Versager. Yahoo präsentiert zusätzlich auf dieser ruhmlosen Liste den Ex-Präsidenten Jimmy Carter an vierter und die Senatorin Hillary Clinton an achter Stelle. MSN, Alltheweb und Altavista präsentieren die beiden ähnlich prominent.

Den Vorwurf "manipulierter Suchtreffer" wiegeln die Suchmaschinenbetreiber in der Regel ab. Google verweist dabei gern auf das hauseigene Ranking-Verfahren, das schließlich mehr als 100 unterschiedliche Algorithmen umfasse. Das mache eine "feindliche Übernahme der Suchergebnisseiten" doch sehr schwer. Aber wohl nicht schwer genug. Diese Linkanfälligkeit von Google & Co allein kann aber solche politischen Ergebnisse nicht ermöglichen. Denn geht es nur nach der Anzahl der Backlinks, hieße der Sieger auch bei Google Michael Moore. 18.200 Backlinks für ihn und nur 3.700 für den Präsidenten.

Übrigens: der Begriff "System Error" führt via Platz Eins bei Google zu Microsoft – eine nicht gerade überraschende Entscheidung. Diese Seite hat aber nur 70 Backlinks. Da wird doch noch etwas zu machen sein?

Link frei zur nächsten Runde!

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